Organisation - Ein langer Weg

Im Jahr 2004 kamen unabhängig voneinander Eltern mit gehörlosen und schwerhörigen Kindern auf Barbara Schuster -  damals Gebärdensprachlehrerin für Erwachsene - und Dipl.-Päd. Andrea Rohrauer -  Pädagogin mit ÖGS Kompetenz und angehende Dolmetscherin - zu und baten die beiden um Hilfe. Sie benötigten Unterstützung beim Lernen der Gebärdensprache – eine vollkommene Fremdsprache bis dato für sie. Sie wollten diese gemeinsam mit ihren Kindern lernen. Einige von Ihnen besuchten zwar schon Erwachsenenkurse für ÖGS, doch fehlte Ihnen zusätzlich der direkte Bezug zu familienrelevanten Themen bzw. das gemeinsame Lernen mit ihren Kindern. Den Kindern hingegen fehlte ein adäquates sprachliches Vorbild. Barbara Schuster und Andrea Rohrauer wurden somit um ihre Expertise und Unterricht gebeten. Glücklicherweise kreuzten sich im selben Jahr ihre Wege und ein einzigartiges, neues Konzept wurde in Österreich geboren: Bilinguale Gebärdensprachkurse für hörende und nicht-hörende Kinder – unterrichtet von einem bilingualen Team von einer gehörlosen und einer hörenden Lehrerin.

Die Idee zu dieser neuartigen Form des Unterrichts kam bei der Recherche über bilinguale Bildungswege für gehörlose Kinder in Schweden – damals bereits eines der erfolgreichsten und fortschrittlichsten Länder im Bereich der allgemeinen Sprachförderung und –entwicklung. Der erste Stein war gesetzt.

2004 starten Andrea Rohrauer und Barbara Schuster so den allerersten bilingualen Gebärdensprachkurs für Kinder in Wien mit einer Kleingruppe. Das Alter der Kinder hätte unterschiedlicher kaum ausfallen können, so beschloss man im nächsten Schritt, passende Altersgruppen zu formieren und das Konzept einem größeren Publikum bekannt zu machen. Im Frühling 2006 wurde von den zwei Pionierinnen der Verein kinderhände geboren. Das Angebot sprach (bzw. gebärdete) sich schnell herum, und so vergrößerte sich die Anzahl der betreuten Kinder/Familien in 5 Jahren auf das 10 (!) -fache: Von 5 Kindern auf ca. 50 Kinder pro Semester. Die Größe des Projekts konnte nicht mehr länger von einem 2-Frauen-Team getragen werden, und nach einer kurzen Verschnaufpause im Jahr 2008 - 2009 startete kinderhände 2010 neu durch!

Das kinderhände Angebot wurde um vieles erweitert und so besteht der Verein heute aus einem Sprach- und Kommunikationszentrum für ÖGS, einer Beratungsstelle, einem Ausbildungszentrum und einem Produktionsteam und Verlag von ÖGS Lehr- und Lernmaterialien für Kinder. Seit diesem Neustart besteht kinderhände aus vielen wertvollen Händen – Organisation, TrainerInnen, Native Signern, DesignerInnen, TechnikerInnen, ... und vielen unterstützenden Eltern, welche das Angebot stets durch ihre Ideen verbessern und erweitern. kinderhände wird wissenschaftlich begleitet durch die Universität Klagenfurt und ist momentan Teilnehmer im EU-Commenius-Projekt Tiny Signers.